Zukunft Europa:
Wertewandel Europa
Aktuelle Entwicklungen und Prognosen
"In vielen westlichen Ländern, besonders aber in der Bundesrepublik, haben Thesen vom Werteverfall eine lange Tradition. Eine permissive Erziehung, wachsender Hedonismus und Egoismus werden diagnostiziert. Die Wertstudie 1999 legt hier eine klare Differenzierung nahe. Geht es um Steuerhinterziehung, Schwarzfahren, eine Spritztour im gestohlenen Auto oder um die Bestechung von Beamten, so hält eine Mehrheit der Befragten dies für absolut unzulässig. Die Spritztour wird von mehr als ¾ der Befragten verdammt. Dagegen werden Homosexualität, Abtreibung, Scheidung aber auch Euthanasie als unter Umständen erlaubt angesehen. Moralische Normen im Bereich von Sexualität und Familie scheinen in den letzten Jahrzehnten in weit stärkerem Maße ins Wanken geraten zu sein als moralische Normen, die sich auf Besitz, Eigentum oder die staatsbürgerlichen Pflichten beziehen. Das eine sind Komponenten einer Sexualitäts- und Familienmoral, das andere Komponenten einer bürgerlichen Moral."
Quelle:
[9] Uniprotokolle
"Der gesellschaftliche Wertewandel im westlichen Europa, überhaupt in den westlichen Zivilisationen hat die Lebenswelt der Arbeit und Freizeit von den Pflicht- und Arbeitsorientierungen zu den Optionen für Selbstverwirklichung und 'Natürlichkeit' geführt. Individualisierung und Pluralisierung der Lebensstile bestimmen den Übergang von einer modernen Leistungsgesellschaft zu einer postmodernen Genusskultur. Keinesfalls schließt aber der Individualismus Gemeinschaftsbedürfnisse, der Genuss die Leistung, der Selbstbezug die Verantwortlichkeit für die Lebensumwelt aus. Es entwickelt sich der Sozialtypus des aktiven, kommunikativen, öko-orien-tierten Hedonisten."
Quelle:
[10] Angermühler Gespräche
Keine Norm für das Menschsein
„Es ist normal verschieden zu sein. Es gibt keine Norm für das Menschsein.
Manche Menschen sind blind oder taub, andere haben Lernschwierigkeiten, eine geistige oder körperliche Behinderung – aber es gibt Menschen ohne
Humor, ewige Pessimisten, unsoziale oder sogar gewalttätige Männer und Frauen ... Wäre soziales Verhalten der beispielgebende Maßstab, dann müssten wir den Menschen mit Down-Syndrom nacheifern. Gemessen an
der Sensibilität, mit der Taubblinde durch die Haut wahrnehmen können, sind Sehende und Hörende behindert.“
Quelle:
[] Weizäcker am 01.07.1993 in seiner Grundsatzrede "Es ist normal verschieden zu sein"
Folgen des Wertewandels
"Selbstentfaltung entspricht den Erfordernissen moderner Gesellschaften
Der Wegfall der großen wertegebenden Institutionen wird durch Bildung kleinerer autonomer Subsysteme aufgewogen oder ganz kompensiert
Von Seiten der Subsysteme sind vor allem Kreativität, Beweglichkeit und Neugier gefragt, was analog zu individualistischen Selbstentfaltung liege.
Selbstentfaltung ist keine affektiv betonte und lustvoll erlebte Triebbefriedigung, sondern der Zwang des Individuums, seine Qualitäten zu fördern und ins gesellschaftliche Leben einzubringen
Von einem Verlust von Werten wie Ordnungsliebe, Fleiß und Pflichterfüllung könne von empirischer Seite keine Rede sein. Vielmehr werden diese situationsangemessen gehandhabt und dadurch weniger offensichtlich
Selbstentfaltung bedeutet keinesfalls Egoismus und Verantwortungslosigkeit. Dies lässt sich aus der steigenden Toleranz gegenüber diversen Minderheiten belegen.
Selbstentfaltung hat keine Anonymisierung zu Folge, was durch das Entstehen ganz neuer sozialer Netzwerke bewiesen ist
Der Wegfall universaler Wertevorstellungen wird durch neue, alle Subsysteme verbindende Werte ersetzt, wie instrumentelle Intelligenz, Flexibilität, Anpassungs- und Umstellungsgeschick oder hochentwickelte Fähigkeit, Misserfolge oder Versagen zu ertragen und produktiv zu verarbeiten."
Quelle:
[13] Wikipedia: Wertewandel
Europäische Werte…
„Gemeinsame Werte aufbauen“ – dafür plädierte eine Ministerkonferenz des Europarats im Dezember in Wroclaw.
In der Abschlusserklärung werden „Offenheit, Fair-Play und Bereitschaft den Anderen zu akzeptieren“ ausdrücklich
als Werte genannt, daneben finden andere Werte, unter anderem die „Werte des Sports“, Erwähnung.
Auch für die EU gilt: Werte sind in aller Munde. Kaum jemand, der nicht beschwören würde, dass der große Binnenmarkt
vor allem eine „Wertegemeinschaft“ sein wolle. Der Verfassungsvertrag widmet seinen zweiten Artikel
den „Werten der Union“. Natürlich ist dieses Bekenntnis zu „Werten“ zunächst positiv. Dennoch mag einen angesichts
der zu beobachtenden Hypertrophie der Werterhetorik ein gewisses Unbehagen beschleichen. Auch die
Werteaufzählung in der Verfassung kann man als – sit venia verbo - beliebig empfinden: Die „Werte“ werden dort
einfach gesetzt und nebeneinander gesetzt; ihre Verbindung, ihre Zuordnung, ihre Verwiesenheit wird nicht entwickelt.
So wichtig „Demokratie“ ist – sie, wie in Art. 2, auf gleicher Ebene wie die „Achtung der Menschenwürde“
anzusiedeln, ist verfehlt; und wenn in Art. 3 der „freie Handel“ in einer Reihe mit dem „Schutz der Menschenrechte“
genannt ist, macht einen das ratlos. Vielleicht kommt hier eine Unsicherheit darüber zum Ausdruck, was „Werte“
denn nun genau sind? Und vielleicht ist das ja auch gar nicht so einfach zu sagen."
Quelle:
[12] Georg Düchs, FEECA-Europabüro (aksb/IAE)